Pic Carlit: Das glitzernde Seenparadies der Pyrenäen
Packende Bergwanderung auf den höchsten Gipfel der Ostpyrenäen – eiszeitliche Kulisse und Tiefblicke bis zum Mittelmeer.
Der Piz Carlit auf der französischen Seite der Pyrenäen verfehlt die 3000m Marke nur sehr knapp, bietet aber hinsichtlich Aufstieg, und Rundsicht mehr als viele Pyrenäen 3000er. Dazu ist er auf markierten Pfaden relativ gut zu besteigen. Ein Gespür für die Wegführung sollte man dabei allerdings mitbringen. Auch einige leichte Kletterstellen sind zu überwinden. Hilfreich ist dabei, dass die Aufstiegsroute und die Aufstiegsroute im oberen, schwierigeren Teil auf zwei verschiedenen Wegen verlaufen. So kommen sich die Bergsteiger weniger in die Quere. Der Pic Carlit ist mit 2.921 Metern der höchste Gipfel des französischen Départements Pyrénées-Orientale.
Ein Highlight sind die Unmengen von Seen, die uns beim Aufstieg begleiten. Aber auch die Aussicht über fast die gesamten nördlichen Pyrenäen bis weit nach Andorra hinein sucht ihresgleichen.
Kein höherer Gipfel steht in der Nähe, welcher die Sicht mindern könnte. Diese reicht bis zu den höchsten Pyrenäenbergen um Aneto, Monte Perdido und Vignemale. Bei klarer Sicht sogar von den Mittelmeerbergen um den Canigou bis weit in die Zentralpyrenäen mit ihren höchsten Gipfeln. Bereits der bekannte Pyrenäenforscher Henry Russell, der den Gipfel 1864 erstmals dokumentiert bestieg, bezeichnete den Carlit als einen der schönsten Aussichtsgipfel der gesamten Pyrenäen.
Dass die Pyrenäen reich an Bergseen sind, war mir nicht neu, aber in der Fülle wie am Pic Carlit habe ich das noch nicht erleben dürfen: Gefühlt hinter jeder Wegbiegung fanden wir einen neuen, tiefblauen Bergsee. Leider waren auch dementsprechend viele Wanderer und Bergsteiger unterwegs. Im unteren Teil um die Seen verläuft sich das recht gut, aber im Gipfelbereich treffen dann doch einige Bergsteiger aufeinander. Naja, kein Wunder, der Berg ist wirklich lohnend!

Das Carlit-Massiv – eine Landschaft aus Granit und Seen
Das Carlit-Massiv liegt im Westen der französischen Region Okzitanien nahe der spanischen Grenze und bildet den Übergang zwischen den Hochflächen der Cerdagne und den höheren Gipfelregionen der östlichen Pyrenäen. Charakteristisch ist die außergewöhnlich hohe Zahl an Bergseen. Rund um den Carlit liegen mehr als zwanzig größere und zahlreiche kleinere Seen, die während der Eiszeiten entstanden sind. Besonders bekannt sind der Lac des Bouillouses, der Lac de Lanoux – der größte natürliche See der französischen Pyrenäen – sowie zahlreiche kleinere Kareseen, die wie an einer Perlenschnur unterhalb des Berges aufgereiht sind.
Geologisch besteht das Massiv überwiegend aus Graniten, die während der variszischen Gebirgsbildung vor rund 300 Millionen Jahren entstanden. Im Gipfelbereich treten zusätzlich metamorphe Schiefer auf. Während der Eiszeiten formten mächtige Gletscher das heutige Landschaftsbild mit seinen Trogtälern, Moränen, Kaaren und den unzähligen Seen. Der Carlit zählt deshalb zu den eindrucksvollsten glazial geprägten Gebieten der gesamten Pyrenäen.
Auch hydrologisch besitzt das Gebiet große Bedeutung. An den Nordhängen entspringt der Fluss Têt, der nahezu das gesamte Département Pyrénées-Orientales durchfließt und schließlich ins Mittelmeer mündet. Die zahlreichen Seen dienen zugleich als wichtige Wasserspeicher und bilden wertvolle Lebensräume für alpine Pflanzen- und Tierarten. Große Teile des Massivs stehen heute unter Natur- und Landschaftsschutz.

Aufstieg auf den Pic Carlit
Eine anspruchsvolle Bergwanderung vorbei an tiefblauen Gletscherseen.
- Ausgangspunkt: Parkplatz Barrage des Bouillouses (ca. 2.015 m)
- Höhenmeter: etwa 900 m
- Gehzeit: 6 bis 7 Stunden
- Streckenlänge: rund 15–17 km
- Schwierigkeit: Anspruchsvolle Bergwanderung (T3), im Gipfelbereich Blockkletterei bis I. Schwierigkeitsgrad.
Der klassische Aufstieg beginnt am Stausee Lac des Bouillouses. Während der Sommermonate ist die Zufahrt häufig gesperrt; dann verkehren Shuttlebusse von den tiefer gelegenen Parkplätzen.
Vom Parkplatz folgt man zunächst dem gut markierten Wanderweg nordwestwärts. Bereits nach wenigen Minuten erreicht man den ersten kleinen Bergsee, den Estany de la Pradella. Der Weg steigt nur mäßig an und führt durch lichte Bergkiefernwälder.
Nach etwa einer Stunde öffnet sich die Landschaft. Nun beginnt einer der landschaftlich schönsten Abschnitte der Tour. Hintereinander werden mehrere Gletscherseen passiert, darunter der Estany Negre, der Estany de Sobirans und der Estany Sec. Immer wieder spiegeln sich die Granitwände des Carlit in den dunklen Bergseen.
Auf etwa 2.350 Metern verlässt der Weg endgültig die Baumgrenze. Über alpine Matten und Granitplatten steigt man stetig höher. Der Gipfelaufbau rückt nun immer näher und zeigt seine steilen Blockhalden.
An einem Wegweiser auf ungefähr 2.500 Metern zweigt der Gipfelanstieg nach links ab. Jetzt wird das Gelände deutlich steiler. Über große Granitblöcke und Geröll gewinnt man rasch an Höhe. Mehrfach müssen die Hände zur Hilfe genommen werden, technisch bleibt die Route jedoch einfach. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dennoch Voraussetzung.
Nach etwa drei bis dreieinhalb Stunden erreicht man den Gipfel des Pic Carlit (2.921 m). Das Panorama gehört zu den eindrucksvollsten der Ostpyrenäen. Tief unter dem Gipfel liegen die zahlreichen Seen des Carlit-Massivs. Im Westen reicht der Blick bis zu den höchsten Bergen der Zentralpyrenäen, im Süden zur spanischen Cerdanya und im Osten zum markanten Canigou sowie bei sehr klarer Luft sogar bis zum Mittelmeer.
Der Abstieg erfolgt auf derselben Route. Besonders im oberen Blockgelände ist Konzentration erforderlich, da lose Steine und glatte Granitplatten bei Nässe rutschig werden können.

Hinweise
Der Pic Carlit ist nur von Juni bis Oktober schneefrei begehbar. Selbst im Hochsommer können Schneefelder im Gipfelbereich liegen. Aufgrund der freien Lage solltest du die Tour früh beginnen, da sich nachmittags häufig Gewitter bilden. Ausreichend Wasser, warme Kleidung und feste Bergschuhe sind unverzichtbar.
Möchtest du die Besteigung des Pic Carlit mit einer Seenwanderung verbinden? Dann unternehme im Anschluss noch einen Rundweg durch die eindrucksvolle Seenlandschaft des Carlit-Massiv - eine der schönsten Hochgebirgslandschaften der gesamten Pyrenäen.
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