Wie schwierig ist die Besteigung des Illimani?
Der Berg Illimani thront mit seinen über 6.400 Metern wie ein ewiger Wächter über der Stadt La Paz. In Bergsteigerkreisen gilt er als die absolute „Königsdisziplin“ der bolivianischen Cordillera Real. Aber was bedeutet das konkret für dich, wenn du mit dem Gedanken spielst, dort einzusteigen?
Hier die ehrliche Einschätzung zur Schwierigkeit. Von Thomas Wilken.
Technischer Anspruch: Nichts für Hochtouren-Neulinge
Der Illimani ist kein Wanderberg. Er wird in den Quellen durchgehend als „anspruchsvoll“, „hochalpin“ und vor allem „exponiert“ beschrieben. Während du an anderen Gipfeln der Region oft nur mäßig steile Firnflanken hast, verlangt der Illimani dir technisch deutlich mehr ab:
- Steileis-Passagen: Du musst dich auf Eisflanken einstellen, die eine Neigung von bis zu 60 Grad erreichen.
- Komplizierte Wegführung: Die Route über den Gletscher und die Grate ist nicht immer offensichtlich und erfordert Erfahrung in der Orientierung im kombinierten Gelände.
- Exponiertheit: Viele Abschnitte sind sehr ausgesetzt, was eine absolute Schwindelfreiheit und sicheres Gehen mit Steigeisen voraussetzt.
Die physische und mentale Wand: 6.439 Meter
Die schiere Höhe ist beim Illimani dein größter Gegner. Mit 6.439 Metern (je nach Quelle auch 6.440 m oder 6.442 m geführt) ist er der höchste Gipfel der Königskordillere und der zweithöchste Berg Boliviens.
- Kondition: Du brauchst eine erstklassige körperliche Verfassung. Ein Gipfelsturm bedeutet etwa sechs Stunden Aufstieg durch grandiose, aber gnadenlose Fels- und Eislandschaften in extrem dünner Luft.
- Akklimatisation: Ein direkter Aufstieg ohne vorherige, mehrtägige Vorbereitung an anderen Gipfeln (wie dem Huayna Potosí oder im Hampaturi-Gebiet) ist praktisch aussichtslos.
- Mentale Stärke: Das Hochlager „Nido de Condores“ (Kondornest) liegt auf stolzen 5.500 Metern an einem extrem abgelegenen Ort. Hier eine Nacht vor dem Gipfelsturm zu verbringen, zehrt an den Reserven.
Die Logistik: Ein echtes Expeditions-Feeling
Die Besteigung ist in der Regel als 4-Tage-Tour konzipiert.
- Anfahrt & Basislager: Von La Paz geht es nach Pinaya, von wo aus Tragtiere dein Gepäck zum ersten Lager auf 4.500 Metern bringen.
- Der mühsame Aufstieg zum Hochlager: Du musst 1.000 Höhenmeter mit deiner Ausrüstung zum „Nido de Condores“ bewältigen. Das ist oft die entscheidende Phase, in der sich zeigt, ob der Körper die Höhe toleriert.
- Gipfeltag: Start ist meist um Mitternacht, damit du die steilen Passagen im Auf- und Abstieg bei gefrorenem, sicherem Firn bewältigen kannst.

Wer sollte die Besteigung des Illimani wagen?
Für den Illimani ist ein hohes Maß an bergsteigerischer Erfahrung unerlässlich. Wenn du die „Triple Crown“ Boliviens (Pequeño Alpamayo, Huayna Potosí und Illimani) anstrebst, ist der Illimani das große Finale. Du solltest fit sein, den Umgang mit Pickel und Steigeisen in steilem Gelände (60°) absolut beherrschen und eine akkurate Akklimatisationsstrategie verfolgen.
Wer diese Herausforderung meistert, wird mit dem wohl spektakulärsten Blick belohnt, den die Anden zu bieten haben: eine Aussicht, die praktisch das halbe Land überblickt.
Ich lade dich ein! Auf ein Gespräch über den Illimani:
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