Der Cerro Wila Manquilizani in Boliviens Cordillera Real ist eine wahre Perle für Bergsteiger, doch sein schwindendes Eis mahnt uns eindringlich vor dem Klimawandel. Die tropischen Gletscher der Anden gehören zu den am schnellsten schrumpfenden Eismassen der Welt. Studien zeigen, dass die Gletscherfläche in der Cordillera Real zwischen den 1980er Jahren und heute um rund 40 % oder mehr reduziert wurde. SuedamerikaTours führt dich zu diesem faszinierenden Gipfel, solange die Gletscher noch bestehen. Für alle, die ursprüngliches Bergsteigen lieben und gleichzeitig die Zerbrechlichkeit unserer Hochgebirge hautnah begreifen wollen.
Cerro Wila Manquilizani: Zwischen Gipfel und schwindendem Eis
Die Cordillera Real in Bolivien zählt zu den spektakulärsten Gebirgsketten der Anden - eine wilde Landschaft aus hochalpinen Gipfeln, eisigen Hängen und Gletschern, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch mächtige Eisfelder trugen. Unter diesen Gipfeln ragt der Cerro Wila Manquilizani mit etwa 5324 Meter Höhe als ein eher unbekannter, aber reizvoller Berg nördlich von La Paz empor. Seine steilen Schneehänge und früheren Eisnasen machten ihn zu einem lohnenden Ziel für Bergsteiger, die sich abseits der bekannten Routen bewegen wollen. Doch der Klimawandel hinterlässt auch hier seine deutlichen Spuren.
Ein Berg im Wandel: Charakter und Besteigung
Der Cerro Wila Manquilizani gehört zu jenen Gipfeln der Cordillera Real, die abseits der klassischen 6000er-Thronen liegen, aber gerade deshalb für alpinistisch Interessierte attraktiv sind. Die Zugänge führen durch hochandine Landschaft, über Schutthalden und ehemals vergletscherte Hänge, die heute zum Teil schon weitgehend eisfrei sind. Sein Name und die seltenen Besteigungen verleihen dem Berg einen gewissen Entdeckercharakter, denn viele einheimische Bergsteiger und internationale Alpinisten kennen ihn nur vom Hörensagen.
Die Cordillera Real heute – Wo einst Eis war
Die Cordillera Real war historisch von zahlreichen Gletschern gekrönt, die über Jahrtausende Landschaft und Wasserhaushalt der Region prägten. Doch die tropischen Gletscher der Anden gehören zu den am schnellsten schrumpfenden Eismassen der Welt. Studien zeigen, dass die Gletscherfläche in der Cordillera Real zwischen den 1980er Jahren und heute um rund 40 % oder mehr reduziert wurde.
Für viele einzelne Gletscher gilt dies in noch deutlicherem Ausmaß: Untersuchungen über Jahrzehnte belegen, dass in der Region mittelgroße Gletscher kontinuierlich an Volumen und Fläche verlieren, ein Trend, der sich seit den 1980er Jahren beschleunigt hat. So lässt die Analyse von Satellitenbildern darauf schließen, dass viele kleinere Gletscher unter 5000 Meter fast vollständig verschwunden sind, während die noch höher gelegenen Gletscher nur langsam schrumpfen.

Ein Opfer des Klimawandels: Die Eismassen schmelzen
Ein bekanntes historisches Beispiel in der Cordillera Real ist der Gletscher auf dem Chacaltaya, der bis zum 20. Jahrhundert sogar als höchstes Skiresort der Welt genutzt wurde. Von einer Fläche von etwa 0,22 km² im Jahr 1940 schrumpfte dieser bis in die 2000er Jahre hinein drastisch und verschwand schließlich vollständig bis etwa 2009.
Chachacomani und Ancohuma | Reise zu einsamen 6000er in der Cordillera Real | Bolivien
Dieses Schicksal steht symptomatisch für die Probleme, denen auch einst mächtige Eismassen an Wila Manquilizani und den Nachbarstöcken der Cordillera Real ausgesetzt sind: Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und eine zunehmende Gletscher-Dynamik, die durch globale Erwärmung befeuert wird, lösen das stabile Gleichgewicht von Akkumulation und Schmelze auf.
↗ Zum Blog „Climate Change Bolivia“ von Dirk Hoffmann
Die Eiswand im Rückzug
Viele Bereiche, die früher von beeindruckenden Eiswänden geprägt waren, zeigen heute bereits blankes Fels- und Schutthanggelände. Wo einst steile, glitzernde Eisflanken den Berg dominierten, sind teils nur noch Reste der ehemaligen Gletscher zu sehen. Besonders betroffen sind niedrigere Gletscherzungen und Eiswände, die unter rund 5000 Meter Höhe lagen - genau jene Bereiche der Cordillera Real, die heute am stärksten zurückgehen.
Im Kleinen wie im Großen zeigt sich dabei ein gesamtökologischer Wandel:
- Gletscherbäche schwellen saisonal, liefern aber auf lange Sicht immer weniger Schmelzwasser.
- Permanente Eiszonen wandeln sich in instabile Fels- und Blockfelder.
- Und alpines Ökosystem sowie Wasserversorgung der Täler und Städte stehen vor neuen Herausforderungen.

Vom Gipfel zur Zukunftsfrage
Für Bergsteiger und Naturfreunde ist der Cerro Wila Manquilizani nicht nur ein Ziel, sondern auch ein stummer Zeuge eines dramatischen klimatischen Prozesses. Die Geschichte seiner Eiswände und die Veränderung seiner Gletscher spiegeln die Realität tropischer Hochgebirgsregionen wider: Ein einst eisgekröntes Gebirge verliert seine Schutzhülle – und hinterlässt eine neue Landschaft der offenen Felsen und fragile Ökosysteme. Gleichzeitig steht diese Entwicklung in enger Verbindung mit dem Schicksal von Menschen in der Region, die von Gletscherwasser für Trinkwasser, Landwirtschaft und Energie abhängen.
Ausblick
Solange die globale Erwärmung anhält, wird der Gletscherschwund weitergehen – auch an Bergen wie Wila Manquilizani. Doch gerade diese Veränderungen können auch zum Lernort werden: für die Alpinisten, die diese Hänge besteigen, für die Bewohner der Anden, die von den Wasservorräten abhängig sind, und für die Weltgemeinschaft, die den Klimawandel nur gemeinsam bewältigen kann.




