Die Atacama-Wüste in Chile ist eine der trockensten Regionen der Welt. Durch das Klima-Phänomen El Niño blühen dort im Moment auf 17.000 Quadratkilometern rund 200 verschiedene Pflanzenarten.
Die Atacama-Wüste: Die trockenste Wüste der Erde
Die Atacama-Wüste erstreckt sich im Norden Chiles über eine Distanz von rund 1.000 bis 1.200 Kilometern zwischen der Pazifikküste und der gewaltigen Andenkordillere. Je nach geografischer Abgrenzung umfasst sie eine Fläche von etwa 105.000 km² bis 180.000 km². Sie gilt als die trockenste Wüste der Erde außerhalb der Polargebiete.
Dass diese Region so extrem trocken ist, liegt an einem Zusammenspiel dreier Naturfaktoren: Dem kalten Humboldtstrom an der Pazifikküste, stabilen Hochdruckgebieten über dem Ozean und der enormen Barrierewirkung der Anden, die jegliche feuchten Luftmassen aus dem Osten im Regenschatten halten. In ihrem zentralen Bereich herrscht dieses hyperaride Klima bereits seit mindestens 15 Millionen Jahren. Die durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmengen liegen teils unter 1 mm pro Jahr, und manche Wetterstationen haben über viele Jahre hinweg überhaupt keinen Regen verzeichnet.
Wer hier unterwegs ist, muss zudem mit drastischen Temperaturunterschieden rechnen: Während die Sonne tagsüber die Wüstenböden auf bis zu 30 °C erwärmt, fallen die Werte nachts im Zwischental und in den Hochlagen drastisch auf −15 °C bis −30 °C.
Das Klima-Phänomen El Niño: Wenn der Ozean das Wetter dreht
Den Namen El Niño (spanisch für „der Junge“ oder konkret das „Jesuskind“) prägten peruanische Fischer, da das Phänomen meist um die Weihnachtszeit auftrat und durch das Erwärmen des Meeres die Fischschwärme ausblieben.
Unter normalen Bedingungen schieben starke Passatwinde das sonnenerwärmte Oberflächenwasser im Pazifik nach Westen in Richtung Indonesien, wodurch vor der südamerikanischen Küste kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt. Bei einem El Niño schwächen sich diese Passatwinde jedoch ab, und die sogenannte Walker-Zirkulation verringert sich oder kehrt sich um. Der kalte Humboldtstrom kommt dadurch ins Stocken. Das warme Meereswasser vor der südamerikanischen Küste führt dazu, dass riesige Wassermengen verdunsten und regenreiche Wolkenfelder an die sonst extrem trockene Westseite der Anden getrieben werden. Dieses Klimaphänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren auf und hält meist neun bis zwölf Monate an.
Das Wunder des Desierto Florido: Millionen Samen erwecken die Wüste zum Leben
Wenn diese seltenen, außergewöhnlichen Regenfälle die Wüste treffen, geschieht das Naturphänomen des Desierto Florido. Oft reichen schon geringe Niederschlagsmengen von 15 bis 30 mm in Kombination mit kühlen Wintertemperaturen aus, um das Wachstum auszulösen. Bei besonders intensiven Regenperioden – wie nach kräftigen Pazifikfronten – fallen stellenweise sogar zwischen 38 und 190 mm Niederschlag.
Das eigentliche Wunder spielt sich zunächst im Verborgenen ab: Millionen von Samen, Zwiebeln, Rhizomen und Knollen liegen im ausgetrockneten Wüstenboden in einer tiefen Keimruhe. Dieses biologische Material kann über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg im Boden ruhen, ohne seine Keimfähigkeit zu verlieren. Sobald Feuchtigkeit und Temperatur passen, erwacht die Wüste innerhalb weniger Wochen zum Leben. Bis zu 15.000 bis 17.000 Quadratkilometer verwandeln sich dann in einen riesigen Blütenteppich.
Mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten treiben aus. Dazu gehören leuchtend rote und gelbe Añañucas, violette Portulakgewächse, weiße Suspiros, Huillis und die seltene, nur hier vorkommende Garra de León („Löwenkralle“). Mit den Blüten vermehren sich auch Bestäuber, Insekten, Vögel und Reptilien schlagartig. Besuchen lässt sich dieses Spektakel besonders gut in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Desierto Florido, dem Nationalpark Llanos de Challe oder dem Nationalpark Pan de Azúcar. Wer das Blütenmeer besucht, sollte sich unbedingt an die Schutzregeln halten: Striktest auf den markierten Pfaden bleiben, keine Fahrzeuge abseits der Wege nutzen, nicht auf Pflanzen treten und niemals Blumen oder Zwiebeln ausgraben, damit der biologische Samen-Vorrat im Boden für die Zukunft erhalten bleibt.
Die Besonderheiten der Atacama-Wüste für Bergsportler
Für Bergsteiger ist die Atacama ein Revier der Superlative. Weil in dieser hyperariden Region so extrem wenig Niederschlag fällt, gibt es selbst auf Gipfeln knapp unter 7.000 Metern Höhe kaum Gletscherbildungen. Das bedeutet für uns: Die Aufstiege an den mächtigen Vulkangiganten sind alpinistisch meist schneefrei und technisch überraschend unkompliziert – Eisklettern oder schwierige Felsstellen sucht man an den meisten Routen vergeblich.
Die eigentlichen Herausforderungen sind anderer Natur: Die immense Höhe, die dünne und eisige Luft, orkanartige Puna-Winde mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h sowie Nachttemperaturen von −15 °C bis −30 °C fordern deinem Körper alles ab.
Zu den bekanntesten Gipfeln gehören:
- Ojos del Salado (6.893 m): Der höchste Vulkan der Erde und der höchste Berg Chiles. Von Copiapó führt die Anfahrt über die leuchtende Laguna Verde zum Basislager Refugio Atacama (5.250 m) und zum Hochlager Refugio Tejos (5.750 m). Der Aufstieg verlangt das Stapfen durch tiefen Flugsand und vulkanische Asche; am Gipfelaufbau wartet auf den letzten 50 Höhenmetern eine Kletterstelle im II. bis III. Schwierigkeitsgrad.
- Llullaillaco (6.740 m): Ein heiliger Berg der Inka an der Grenze zu Argentinien und die höchste archäologische Stätte der Welt, wo 1999 auf fast 6.700 Metern perfekt erhaltene Inka-Kindermumien entdeckt wurden.
- Vulkan Lascar (5.592 m / 5.645 m): Einer der aktivsten Vulkane Chiles, dessen Steilweg direkt bis an den Kraterrand führt, aus dem gelbe Schwefelfumarolen aufsteigen.
- Vulkan Licancabur (5.918 m): Der symmetrische Vulkan-Kegel an der Grenze zu Bolivien beherbergt in seinem Krater einen der weltweit höchstgelegenen Seen.
- Weitere lohnende 6.000er sind der Acotango (6.080 m) sowie die abgelegenen Vulkanzwillinge San Pedro (6.145 m) und San Pablo (6.102 m).
Um auf diesen Höhen erfolgreich zu sein, ist eine feinsäuberlich geplante Akklimatisation Pflicht. Ein idealer Stützpunkt im hohen Norden ist das Bergdorf Putre (3.500 m). Von hier aus bieten sich hervorragende Anpassungstouren auf den Cerro Surunche (3.878 m), den Cerro Milagro (4.824 m), den Cerro Guane Guane (5.097 m / 5.050 m) oder den Cerro Cosapilla (5.335 m / 5.395 m) bei Suriplaza an. Rund um San Pedro de Atacama gilt der Cerro Toco (5.604 m / 5.642 m) als einer der zugänglichsten 5.000er, da man per Geländewagen bis auf etwa 5.000 Meter auffahren kann.
Trekking in den Weiten der Atacama: Zwischen Canyons, Salzseen und Altiplano
Neben den hohen Gipfeln bietet die Atacama fantastische Möglichkeiten für Trekkingtouren und Tageswanderungen durch bizarres Terrain.
Rund um das Wüstendorf San Pedro de Atacama liegen einige der bekanntesten Wüstenlandschaften:
- Valle de la Luna (Mondtal): Eine surreal geformte Landschaft aus Salz, Sand und Fels, geformt durch Erosion und Wind.
- Guatinschlucht: Eine abwechslungsreiche Wanderung auf etwa 3.500 Metern durch Schluchten mit thermalen Bächen.
- Geysire von El Tatio (4.300 m): Das drittgrößte Geysirfeld der Erde, wo morgens mächtige Dampfsäulen in die eiskalte Luft steigen.
- Salar de Atacama & Laguna Chaxa: Ein riesiger Salzsee, an dem Flamingos im flachen Wasser nach Nahrung suchen.
- Lagunas Altiplánicas: Die Hochlandseen Miscanti und Miñiques unterhalb der gleichnamigen Vulkane.
Weiter im Norden eröffnet das Hochland um Putre und der Lauca-Nationalpark unberührte Weiten:
- Suriplaza: Die farbenprächtigen Regenbogenberge leuchten in leuchtenden Rot-, Orange- und Gelbtönen.
- Laguna Chungará (4.520 m): Einer der höchstgelegenen Seen der Welt, in dessen Wasser sich der schneebedeckte Vulkan Parinacota spiegelt, umgeben von Vicuñas und Flamingos.
- Salar de Surire: Weite Trekkingstrecken über strahlend weiße Salzflächen.
Bei allen Unternehmungen gilt: Die Logistik erfordert volle Selbstversorgung. An vielen Bergen und Trekkingrouten gibt es weder Quellen noch Schmelzwasser. Sämtliches Trinkwasser sowie ausreichend Treibstoff für das geländegängige Allradfahrzeug (4x4) müssen selbst mitgeführt werden.
Beste Reisezeit für Bergsteigen und Trekking in der Atacama
Für deine Reiseplanung musst du unterscheiden, was dein Hauptziel ist:
- Für Bergsteigen und 6.000er-Expeditionen: Die beste Reisezeit liegt im südamerikanischen Sommer von November bis Februar. In diesen Monaten ist das Wetter im Hochland am stabilsten und die Temperaturen in den Hochlagern sind am erträglichsten.
- Für das Naturwunder der Blühenden Wüste (Desierto Florido): Die ideale Zeit sind die Frühlingsmonate September bis November, wobei die Blüte meist in der zweiten Oktoberhälfte ihre höchste Dichte und Farbenpracht erreicht.
🌵 Falls du deine Routenplanung für eine Akklimatisations-Etappe rund um Putre oder San Pedro genauer ausarbeiten möchtest, lass es mich einfach wissen!


